Demo 1×1
Einleitung
Da der Staat unsere Demonstrationen nicht mehr im großen Stil
verbietet und unsere Präsens somit nicht mehr unterbinden kann,
versucht er nun vermehrt, auf dem juristischen Weg gegen Kameraden
vorzugehen, die sich an Aktionen beteiligen. Gerade rund um
Demonstrationen kommt es immer wieder zu Repressionen gegen
Kameraden mit denen Versucht wird, die Kameraden von ihrer
politischen Arbeit abzuhalten. Nicht gerade wenige haben aufgehört
aktiv zu sein, weil sie Angst vor Haftstrafen und neuen Anzeigen
haben. Um euch einen kleinen Überblick über eure Rechte zu geben,
haben wir diese Broschüre verfaßt.
Vor der Demo
Du solltest vermeiden, alleine auf eine Demo zu
fahren. Bestenfalls solltest du dich mit deiner lokalen Gruppe über
den Verlauf und eventuelle Aktionen absprechen, gemeinsam auf die
Demo fahren, dort zusammen bleiben und auch wieder gemeinsam
zurückfahren. Geh am Abend vorher früh ins Bett und frühstücke am
nächsten Morgen gut, damit du fit bist.
Für die Demonstration benötigst du eventuell mehrere Dinge die du mitnehmen solltest. Am wichtigsten ist praktische Kleidung, ein gültiger Personalausweis, ein Zettel/Stift und ein wenig Kleingeld. Optional solltest du ein Halstuch, eine Sonnebrille, eine Basecap, Handschuhe [ohne Quarzsand, oder andere Verstärkungen], eventuell benötigte Medikamente, Essen und Trinken [in Plastikflaschen], Transparente und Fahnen [Fahnenstab aus Holz] und ein Handy mitnehmen. Für den Transport solltest du einen Rucksack und keine Tragetasche verwenden. Es könnte auf der Demonstration zu Situationen kommen in denen dich eine Tragetasche behindert.
Bevor du auf Demonstrationen fährst solltest du dich noch einmal versichern, daß du keine Waffenähnlichen Gegenstände, Tränengas, oder andere spitze Gegenstände [auch wenn sie noch so klein sind] dabei hast. Wenn diese bei den Vorkontrollen gefunden werden kann es sein, daß du vorübergehend festgenommen wirst. Vermeide es auch, Adressenlisten, oder private Notizen mitzunehmen.
Ebenfalls zu Ärger führen können so genannte
Schutzbewaffnungen. Darunter fallen [Knie-] Schoner, Nierengürtel,
Genitalschutz, Masken, Mundschutz und Schilder mit Schnüren zum
Festbinden.
Vorkontrollen
Was immer dich die Polizisten fragen, sagt nichts
außer dem, was auf deinem Personalausweis steht und die
Berufsbezeichnung [bspw. Schüler/in, Mahler, Erzieher usw.]. Frauen
haben das Recht, von einer Beamtin durchsucht zu werden! Eventuell
fragen sie dich, warum du z.B. ein Halstuch dabei hast, oder wofür
du Handschuhe benötigst. Du solltest keine dieser Fragen
beantworten. Im Sommer kann es zu Komplikationen kommen, wenn du
Handschuhe trägst, es wäre also besser, wenn du diese nicht immer
trägst und bis zur Demo im Rucksack aufbewahrst.
Während der Demo
Die Polizei wird öfter versuchen euch durch
martialisches Auftreten einzuschüchtern. Allgemein gilt es deshalb
immer, einen kühlen Kopf zu bewahren und ruhig zu bleiben. Wer zum
ersten Mal auf eine Demo fährt, sollte sich das Geschehen vielleicht
erst einmal etwas anschauen. Egal, wo ihr euch einreiht, bildet
immer Blöcke! [Im Block wiederum bildet ihr Kleingruppen die immer
zusammenbleiben. Diese Gruppe sollte nicht mehr als 5 Personen
umfassen. So könnt ihr euch sicher sein, daß immer wer bereitsteht
um euch vor Übergriffen durch die Polizei zu schützen.] Sie schützen
euch vor Übergriffen, lassen
Sprechchöre besser koordinieren und sorgen für ein entschlossenes
und organisiertes Demobild für Umstehende. In Extremsituationen
solltet ihr euch in Ketten einhaken, damit man euch nicht
auseinander reißen/angreifen kann. Wenn Kameraden von Polizisten
angegriffen werden, zieht die Kameraden in den Block. Sollte es zu
Festnahmen kommen merkt euch, wer als Zeuge vor Gericht aussagen
könnte. Sprecht direkt danach Kameraden an die Fotos, oder Videos
machen, damit ihr eine Kopie für
einen eventuellen Rechtskampf bekommt. Die Aufnahmen können vor
Gericht eventuell die ungerechtfertigte Polizeimaßnahme beweisen
[Videoaufnahmen vom Geschehen bringt ihr im Falle einer abzusehenden
Festnahme zum Lautsprecherwagen.]
Sollte es zu Übergriffen durch die Polizei/Antifa kommen rennt niemand weg! Versucht gemeinsam die Übergriffe abzuwehren. Achtet besonders darauf, daß ihr euer Notwehrrecht nicht überschreitet, da das zu weiteren Komplikationen führen könnte.
In solchen Extremsituationen werden eventuell eingeschleuste Provokateure mit ihrer Arbeit beginnen. Achtet darauf, ob ihr die Kameraden kennt die bei euch in der nähe sind. Wenn euch manche Leute völlig unbekannt sind und sie durch extremere Aktionen auffallen sagt bitte einem Ordner bescheid, damit die Angelegenheit geklärt wird.
Es sollte jedoch allen klar sein, daß militantes
Vorgehen nicht der alleinige Zweck einer Demo ist, sondern nur eine
Reaktion auf bestimmte Situationen sein kann. Wer das vergißt, hat
nichts auf einer Demo verloren.
Nach der Demo
Schließt euch nach den Demos unbedingt in Gruppen
zusammen und treten gemeinsam den Heimweg an. Es kann immer und
überall zu Konfrontation mit dem politischen Gegner kommen. Ihr
solltet also so lange wie möglich in großen Gruppen bleiben, damit
ihr euch im Fall der Fälle verteidigen könnt. Es ist schon
vorgekommen, daß man selbst nach stunden Fahrt, an einem Rastplatz
an der Autobahn noch auf einen Antifabus trifft. Im Regelfall ist
ein Kampf bei gleicher Zahl gegen Antifas kein Problem, ihr solltet
jedoch überlegen, ob eure Reisebusbesatzung in der Lage ist, sich
gegen einen Antifaangriff zur wehr zu setzen. Tretet entschlossen
auf. Es ist unwahrscheinlich, daß es insofern keine Polizei vor Ort
ist, nicht einer Konfrontation kommt. In diesem Fall handelt
schnell, entschlossen und mit allen Mitteln! Für Fairness hat noch
niemand einen Preis gewonnen!
Festnahme
Deine Rechte nach einer Festnahme sind:
-den Grund für die Festnahme zu erfahren.
-alle Aussagen zu verweigern.
-nichts zu unterschreiben!
-gegen eine erkennungsdienstliche Behandlung schriftlich Widerspruch
einzulegen.
-im Verletzungsfalle einen Arzt zu verlangen und die Verletzung
attestieren zu lassen.
-ein Protokoll über die beschlagnahmten Sachen zu erhalten.
-einen Anwalt anzurufen und nächste Angehörige bzw. Kameraden zu
benachrichtigen
Wirst du selbst festgenommen, versuche so gut es
geht ruhig zu bleiben. Rede mit anderen Festgenommenen über eure
Rechte, nicht jedoch über Vorgefallenes. Polizisten können immer
mithören und sich eure Aussagen notieren! Wie schon bei der
Vorkontrolle gilt: Den Polizisten nur sagen, was auf deinem
Personalausweis steht und die ungefähre Berufsbezeichnung. Der Satz
“Ich verweigere die Aussage!” ist ab sofort dein bester Freund, denn
eine Aussageverweigerung kann dir rechtlich nicht negativ angelastet
werden. Sie ist später evtl. sogar von Vorteil. Also hör nicht auf
die Polizisten! Versuche auch nicht etwas klarzustellen, wenn du
meinst du seiest zu unrecht festgenommen. Halte einfach die Klappe!
Auch nichts unterschreiben! Dir stehen rechtlich zwei [selbst zu
bezahlende] Telefonate zu. Ruf am besten einen Anwalt und den
Ermittlungsausschuß [EA] an. Nach ein paar Stunden mußt du dann
wieder entlassen werden. Fertige umgehend ein umfangreiches
Gedächtnisprotokoll [Nähere Infos zum Gedächtnisprotokoll
unter Punkt VII] an. Wenn du mit mehreren Kameraden festgenommen
wurdest, warte
nach deiner Entlassung auf die anderen und geht danach gemeinsam
nach Hause. Falls
Kameraden von dir festgenommen wurden, informier dich bei der
Polizei, oder beim
Ermittlungsausschuß, wohin sie gebracht wurden. Ihr solltet dann
nach der
Demonstration zur Polizeiwache fahren und dort auf ihn warten.
Gedächtnisprotokoll
In einem Gedächtnisprotokoll solltest du
aufschrieben, wie du die Situationen erlebt hast. Das
Gedächtnisprotokoll hilft dir dabei, dich auch nach langer Zeit noch
an Kleinigkeiten zu erinnern, die du sonst vergessen würdest. Vor
Gericht können selbst Kleinigkeiten manchmal sehr bedeutend sein. In
einem Gedächtnisprotokoll sollte eine Vorfallsbeschreibung, Ort und
Zeitangabe, Namen der Betroffenen und der Zeugen, Zeuginnen [oder
zumindest Personenbeschreibungen] und die Anzahl und Beschreibung
der anwesenden Polizisten vorhanden sein. Eine Kopie des
Gedächtnisprotokolls sollte [wenn vorhanden] an den EA und an
betroffene Kameraden weitergeleitet werden. Falls ihr selber
betroffen seid, solltet ihr auch eurem Anwalt eine Kopie geben.
Ermittlungsausschuß [EA]
Der Ermittlungsausschuß sollte vor jeder Aktion
eingerichtet werden, um sich gegen Repressionen des Staates zur wehr
zu setzen. Kameraden die vor, während, oder nach der Demo
festgenommen werden können sich dort melden und der EA kann
daraufhin
versuchen, Anwälte und Kameraden zu kontaktieren. Wenn Kameraden von
dir festgenommen werden, kannst du dich beim EA über deren Verbleib
informieren und erfragen, wo man sie hingebracht hat. Wenn du
festgenommen wurdest, gib beim EA bitte deinen Namen, deinen
Vornamen, dein Geburtsdatum, den Festnahmevorwurf und deinen
Aufenthaltsort an. Zusätzlich kannst du angeben, ob du durch die
Festnahme Verletzungen erlitten hast. Äußere dich bitte nicht zu
Sache und nenn keine Namen von Kameraden, außer wenn du 100%ig
sicher bist, daß diese mit dir festgenommen wurden! Wenn du wieder
aus dem Polizeigewahrsam entlassen wurdest, melde dich bitte beim EA
wieder ab. Das erspart allen viel Arbeit.
Nach dem Polizeigewahrsam solltest du umgehend Gedächtnisprotokolle anfertigen. Schon einen, oder zwei Tage danach hat man vieles oft anders in Erinnerung! Schick dem EA bitte eine Kopie deines Gedächtnisprotokolls, damit man dieses für eventuelle Anzeigen gegen Polizisten verwenden kann.
Wenn du selber an der Organisation einer Demo
beteiligt bist, kannst du ganz leicht einen EA einrichten. Auf der
Demo sollten mehrere Kameraden anwesend sein, die sofort zur Stelle
sein können, wenn es Ärger mit der Polizei gibt. Diese sollten sich
am besten mit der Rechtslage auskennen, damit man eventuell schon
vor Ort etwas regeln kann.
Ansonsten sollten sie versuchen, an die Personalien der
festgenommenen Person zu
kommen um diese weiterzuleiten. Dazu solltet ihr ein Handy, oder ein
normales Telefon
benutzen welches vor, während und nach der Demo erreichbar ist. Dort
können sich dann
alle melden, die festgenommen wurden, oder jemanden vermissen.
Die Nummer des EA´s sollte vor der Demonstration bekannt gemacht werden. Entweder in den Aufrufen, oder spätestens kurz vor den Demos. Es ist auch immer hilfreich, wenn man sich die Nummer mit einem Edding auf den Unterarm schreibt. Es kann sein, daß man dir bei der Festnahme alle Sachen abnimmt und du dann die Nummer nicht mehr zur Hand hast.
Auflagen
Da unsere Demonstrationen nicht mehr so oft
verboten werden, versucht man uns mit Auflagen weiter
einzuschränken. Die Anzahl der Fahnen wird beschränkt, es dürfen nur
bestimmte Fahnen getragen werden, die Transparente dürfen nur eine
bestimmte Länge/Höhe haben usw. Auflagen sind Verbote, die
nur für die Versammlung gültig sind und vor und nachher keine
Gültigkeit mehr besitzen. Wir werden euch nun die häufigsten
Auflagen nennen. Sie haben zwar keinen Anspruch auf Vollständigkeit,
da sich die Behörden jede Woche neue Auflagen ausdenken, aber geben
einen kurzen Überblick.
- Das tragen von Bomberjacken in den Farben
schwarz, blau oder militärgrün ist verboten
- Es dürfen keine Stiefel mit Stahlkappe getragen werden
- Es darf keine militärische oder “militärähnliche” Kopfbedeckung
getragen werden
- Das Tragen von Uniformen, Uniformteilen oder gleichartigen
Kleidungsstücken als Ausdruck einer gemeinsamen politischen
Gesinnung ist untersagt
- Folgende Zahlen und Buchstabenkombinationen sind untersagt:
A.C.A.B, Combat18, FG, HH, JdF, NS, NSD, NSDA, NSDAP, SA, SS, SP,
ZOG, 14, 28, 88, 192, oder die Abkürzungen bzw. erkennbare
Abkürzungsteile weiterer Verbotener Parteien oder Gruppierungen
- Es dürfen keine Bilder [auch Tätowierungen sind Bilder] gezeigt
werden, die “Hass” bedeutet [z.B. Totenköpfe]
- Glorifizierung, Verharmlosung oder Wiederbelegung der
nationalsozialistischen Regierung oder ihrer Organisationen sowie
verbotener Parteien und Vereine einschließlich deren Ersatz- oder
Nachfolgeorganisationen ist untersagt.
- Es sind nur Fahnen des Bundes und der Bundesländer gestattet
- Fahnenstangen und Transparenthaltestangen dürfen eine Maximallänge
von 200 Zentimeter, einen maximalen Durchmesser von 2 Zentimetern
und Haltestangen für Trageschilder eine Maximallänge von 150
Zentimetern und einen maximalen Durchmesser/Kantenlänge von 3
Zentimetern nicht überschreiten
- Die Benutzung von Trommeln und Fackeln ist untersagt [in einigen
Fällen dürfen Trommeln mitgeführt werden. Erkundigt euch bitte vor
der Demo über die Auflagen und besondere Bekanntmachungen].
- Es dürfen keine Hunde mitgeführt werden
- Alkoholisierte Personen müssen ausgeschlossen werden
Gesetze
Auf Demonstrationen kommen nicht nur die
Paragraphen 86 und 130 StGB zur Anwendung sondern noch viele mehr.
Die häufigsten Paragraphen die gegen uns angewandt werden sind:
- § 86a StGB: Verwendung von Kennzeichen
verfassungswidriger Organisationen
- § 113 StGB: Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte
- § 125 StGB: Landfriedensbruch
- § 130 StGB: Volksverhetzung
- § 223 StGB: Körperverletzung
- § 3 VersammlungsGesetz Uniformierungsverbot
- § 17a VersammlungsGesetz: Vermummungsverbot [Schutzwaffenverbot]
Ihr solltet, bevor ihr euch an Demonstrationen usw. beteiligt im Kameradenkreis über diese Paragraphen sprechen. Jedem muß bewußt sein, was diese Paragraphen bedeuten und welche Konsequenzen ein solches Handeln mit sich bringt. Die ständige Ausrede “davon habe ich nichts gewußt” bringt vor Gericht nichts. Jeder sollte also wissen, was er tut. Das erspart unnötige Gerichtsverfahren
Autor/Quelle: freier-widerstand.net