Die liberale Preis- und Wirtschaftspolitik

 

In der liberalen und plutokratischen Wirtschaft sucht der einzelne bei diesem Spiel von Angebot und Nachfrage wenigstens grundsätzlich für sich die höchstmöglichen Vorteile herauszuholen. Jeder verkauft seine Waren und Leistungen möglichst teuer. Die schaffende Bevölkerung ist dabei innerhalb der heutigen Wirtschaft vielfach im Nachteil und kann auf Grund ihrer Lohnverhältnisse die Preise für die wichtigsten Bedarfsgüter oft nicht bezahlen. Die Folge sind Lohnkämpfe, Streiks und Aussperrungen.

 

Alle diese Erscheinungen kennt das heutige Deutschland nicht mehr. Dagegen kann man täglich hören, daß irgendwo im großen englischen Reich oder in den reichen Vereinigten Staaten oder sonstigen demokratisch regierten Ländern derartige innere Machtkämpfe ausbrechen und einen geordneten Wirtschaftsablauf hemmen. Ihren Grund haben sie regelmäßig in dem liberalen Wirtschaftssystem, das die Freiheit des einzelnen höher stellt als das Wohl der Volksgemeinschaft. Diese Freiheit ist aber nur eine scheinbare. In Wirklichkeit sind die schaffenden Menschen abhängig von den plutokratischen Machthabern. Sie propagieren in geschickter Weise die Lehre von der Eigengesetzlichkeit der Wirtschaft, womit sie zum Ausdruck bringen wollen, daß sich der Staat jeden Eingriffs in die Wirtschaft zu enthalten habe. Die Geschicklichkeit des einzelnen ermöglicht nach ihrer Ansicht erst das Wirtschaften. Eingriffe des Staates führen dagegen zur Erstarrung und damit zum Erliegen der Wirtschaft.

 

Wie unrichtig diese Gedanken sind, wissen wir aus den zahllosen Wirtschaftskrisen, die die demokratischen Länder durchgemacht haben. Trotzdem geben die liberalen Theoretiker die Lehre von der Eigengesetzlichkeit der Wirtschaft nicht auf, sondern betrachten weiterhin eine freie Preisbildung als wünschenswert. Dabei sind längst die Grundlagen einer wirklich freien Wirtschaft, die ungestört das freie Spiel der Kräfte zur Auswirkung kommen läßt, aufgegeben. Längst sind die plutokratischen Unternehmen zu Verbänden, Trusts und Konzernen zusammengeschlossen und beherrschen den Markt mit den von ihnen festgesetzten Preisen. Diese Organisationen kaufen Waren auf und halten sie zurück, wenn es ihrem Gewinnstreben dient; sie werfen sie andererseits wiederum zu Schleuderpreisen auf den Markt, wenn es gilt, unerwünschte Konkurrenz auszuschalten. Alle diese Machenschaften wirken sich im Preise aus. Das Preisbild schwankt ständig. Verteuerungen werden auf den ohnehin schlechter gestellten Abnehmer abgewälzt, der die so dringend benötigte Ware zu den willkürlich festgesetzten Preisen kaufen muß.

 

Deutschland hat dies alles zur Genüge in der Zeit nach dem Weltkrieg kennengelernt. Man braucht nur an die Inflation, später an die Zeit der Scheinblüte durch hineingepumptes ausländisches Gold und den wirtschaftlichen Zusammenbruch infolge des Abzugs dieses Goldes und der Abschnürung vom Weltmarkt zu denken. Die verantwortlichen Regierungen versuchten vergebens durch Notverordnungen dieser Erscheinungen Herr zu werden. Sie konnten es nicht, weil sie selbst in liberalen Gedankengängen verstrickt waren und kein einiges und geschlossenes Volk hinter sich hatten.

 

Die deutsche Preis- und Wirtschaftspolitik

 

Die deutsche Preispolitik geht von der sozialen Bedeutung der Preise aus. Die Preispolitik muß jedem Volksgenossen eine gerechte Beteiligung am Wirtschaftsergebnis sichern. Der einzelne soll die Güter, an deren Schaffung er mitgewirkt hat, auch zu volkswirtschaftlich gerechtfertigten Preisen erhalten. Was im einzelnen der volkswirtschaftlich gerechtfertigte Preis ist, läßt sich dabei nur von Fall zu Fall entscheiden. Immer steht aber im Vordergrund der deutschen Preispolitik, daß die Preise auf einer Höhe gehalten werden, die mit den gegebenen Lohnverhältnissen und dem Warenumlauf in Einklang stehen. Der deutsche schaffende Mensch muß wissen und weiß es auch, daß er für seinen Lohn die Güter bekommt, die er zur Erhaltung seiner körperlichen und geistigen Arbeitskraft benötigt. Damit verliert das "Gesetz" von Angebot und Nachfrage viel von seiner Bedeutung. Es wird nicht der Preis hingenommen, wie er sich im freien Konkurrenzkampf ergeben würde, sondern durchweg sind Angebot und Nachfrage mit Hilfe staatlich überwachter Preise in Einklang gebracht worden. Die deutsche Preispolitik greift damit gestaltend in das organische Werden wirtschaftlicher Vorgänge ein.

 

Daß dies möglich und von Erfolg begleitet ist, hat seinen Grund in der völligen Abkehr von der liberalen Wirtschaftsauffassung. Während die liberale Wirtschaft die Freiheit der Wirtschaft vom Staate fordert und sich auf den Primat der Wirtschaft gegenüber dem Staate beruft, beansprucht der national und sozialistische Staat für sich die Lenkung der Wirtschaft. Es ist völlig unvorstellbar, daß in Deutschland die Wirtschaft etwas unternehmen könnte, was den politischen Belangen des Staates zuwiderläuft. Staatlich gelenkte Wirtschaft bedeutet aber nun nicht, daß der Staat einen Regiebetrieb neben den anderen setzt. Die freie Unternehmerinitiative bleibt vielmehr erhalten und auch der gesunde Wettbewerb. Der Staat lenkt diese Initiative aber in Bahnen, die seiner politischen Zielsetzung entsprechen. Damit aber ordnet er die Wirtschaft seiner letzten Zielsetzung unter und zwingt sie, dem Wohl des ganzen Volkes zu dienen. Der Staat allein hat den zentralen Überblick. Er weiß, wie er die wirtschaftlichen Kräfte zweckentsprechend anzusetzen hat. Er verhindert durch seine Einflußnahme die Zersplitterung dieser Kräfte und damit die Vernichtung wertvollen Volksvermögens.

 

In der Wirtschaftslenkung teilen sich in sinnvollem Zusammenspiel Staatsstellen und Selbstverwaltungskörper der Wirtschaft die anfallende Arbeit. In diese Arbeit greift organisch gestaltend die Tätigkeit des Reichskommissars für die Preisbildung überall dort ein, wo die Wirtschaftsvorgänge sich irgendwie im Preise auswirken können. Es gilt ein Preisbild zu schaffen, das einerseits den begründeten Wünschen der Wirtschaft gerecht wird, andererseits aber dem gesamten Volk, auch in seinen schwächsten Schichten, eine ausreichende Lebenshaltung ermöglicht.

 

Wie war es nun im einzelnen möglich, dieses Ziel zu erreichen? Wir haben gesehen, daß der national und sozialistische Staat mit dem Grundgesetz von der Eigengesetzlichkeit der Wirtschaft gebrochen und die Wirtschaft dem gemeinen Wohle von Volk und Staat dienstbar gemacht hat. Hierzu war u. a. die Schaffung einer übersichtlichen Organisation der Wirtschaft erforderlich, die vor allem der Tatsache Rechnung tragen mußte, daß Deutschland kein reiner Industriestaat ist, sondern über eine leistungsfähige Landwirtschaft verfügt, die es bei planmäßiger Lenkung der Erzeugung und des Verbrauchs sowie bei gesunder Preisbildung ermöglicht, die Ernährung des deutschen Volkes aus der eigenen Scholle im wesentlichen sicher zu stellen.

 

von Hansgeorg Kayser, im Jahre 1940